21. November 2017

Kleine Wendungen

Seit dem unsere große Tochter in die Schule geht, versuchen wir einen neuen morgentlichen Rhythmus zu finden. Schon seit September stehen wir eine Stunde früher auf und haben keine Zeit für ein Hineinbummeln in den Tag mehr. Fast haben wir uns daran gewöhnt. Doch heute war es mal wieder zeitlich knapp. Auf dem Fahrrad in Dunkelheit und Novemberregen quakte das eine Kind hinter mir im Kindersitz und das andere hatte 'schlappe Beine', so dass ich fast den gesamten Weg mitgeschob. 

Schließlich war die Große in der Schule angekommen und ich ging mit der Kleinen zum Bäcker, da sie in der morgendlichen Hast ihr Frühstück nicht hatte essen wollen (wie vernünftig!). Nun konnten wir endlich das Tempo verringern... und da merkte ich, dass mein Geldbeutel nicht im Rucksack war. Im Kopf drehte es sich '... ich kann doch das Kind nicht mit leerem Bauch in den Kindergarten gehe lassen'... dann fand ich doch noch einen Notgroschen in der Geheimtasche meiner Jacke. Für einen Kaffee reichte es nicht, aber das Kind war versorgt. 

Da fragte die Dame hinter dem Tresen, ob der Cappuchino für mich sei. Ich lachte und erzählte von dem vergessenen Geld. Und sie schenkte mir ihn! Wie glücklich mich solche kleinen Gesten machen und die kleinen Wendungen zum Guten! Da saßen wir nun im Trocknen und genossen Langsamkeit, Brötchen und Kaffe!

Selma und Malin sind sind zwei richtige Novembermädchen - in warme Wolle und rustikale Stoffe in natürlichen Farben gekleidet.

Herzlichst, Lena


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5. September 2017

Goldene Tage

Morgens ist es kühl und abends geht schon beim Vorlesen für die Kinder die Sonne unter. Wir haben die ersten Kartoffeln geerntet, uns die Zungen mit Brombeeren blau gefärbt und verstreute Garben von den Stoppelfeldern zu einem Kranz für den Jahreszeitentisch gebunden. Die Freude über diese letzten goldenen Spätsommertage hat mich auch zu diesem Garn greifen lassen - eine eher ungewöhnliche Farbwahl für mich. Das Strickmuster ist dem Anker's Sweater von Petitknit nachempfunden. Ich habe mit der Tynd Uld von Geilsk und einem dünnen Alpaka zweifädig gestrickt.

Habt eine goldene Woche!
Herzlichst, Lena








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25. Juli 2017

Ende und Anfang

Letzte Woche haben wir das Sommerfest im Kindergarten gefeiert. Diese Sommerfeste sind immer etwas ganz Besonderes, weil sie ein wenig altmodisch daher kommen. Unsere Kindergärtnerinnen trauen sich das 'Weniger-ist-mehr' und die leisen Töne. Sie wissen, dass Feste nicht durch Attraktionen sondern durch Begegnungen und gemeinsames Lachen, Singen und Spielen zu Sternstunden werden. Sackhüpfen, Seilziehen, Fischefangen, Kreistänze, Kanon-Singen und ein Schmaus unterm Baum auf der grünen Wiese unter dem blauen Himmel - mehr braucht es wahrlich nicht zum Sommerfestglück.

Ein neues Spiel haben wir in diesem Jahr gespielt: Das Handschuh-und-Hut-Rennen. Dazu braucht man lediglich zwei Paar Fäustlinge und zwei Hüte. Dann bildet man zwei Gruppen und wie bei einem Staffellauf schlüpft nun jeweils der erste der Gruppe in Fäustlinge und Kopfbedeckung, rennt los bis zur Markierung (einmal um den Baum herum) und wieder zurück und übergibt Handschuhe und Hut an den nächsten. 
 
Natürlich lief es bei uns bald vollkommen jenseits aller Regeln aus dem Ruder -  immer neue Läufer stellten sich hinten an, wurden lautstark angefeuert, konnten durch die Schlapphüte kaum etwas sehen, japsten und stolperten.... was für ein Spaß! Und was für eine große Freude, dass es bei einer solchen Festgemeinschaft eben gar nicht mehr um das Gewinnen oder das Einhalten von Regeln geht. Nur die Freude und das gemeinsame Lachen zählt. Das So-sein-lassen ist auch eine große Kunst.

Es war unser letztes Sommerfest. Eine Ära geht zu Ende, denn im September kommt unsere Tochter in die Waldorfschule - da mischen sich Wehmut und Vorfreude. 

Und jetzt sind erstmal Ferien! Das Puppenmädchen Paula verbringt sie hoch oben in den Bergen.
Euch wünsche ich einen schönen Sommer!

Herzlichst, Lena
 
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13. Juni 2017

Sommerlich






Am Sonntag sind wir bei sommerlicher Hitze raus in die Felder gefahren und haben gestaunt, wie hoch das Getreide schon steht. Hafer, Weizen, Gerste und Roggen haben wir aufgesucht, dazu den verblühten Raps und den noch niedrigen Mais. Auf den Treckerspuren sind wir hineingelaufen zwischen die im Wind sich neigenden Ähren. Dieses Bild der Mädchen, wie sie in dem Überfluss dahin rennen machte mich froh - und auch, wie sie mehr und mehr die unterschiedlichen Pflanzen und Kräuter unterscheiden. 

Die zwei sommerlichen Puppenmädchen sind schon vor einiger Zeit entstanden und genießen die warmen Sommertage mit ihren neuen Puppenmüttern.

Sommergrüße!

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16. Mai 2017

Am Wegesrand


I love lilac and peonies. But I also love those small little 'weeds' along the roads and fields. We find them in the city too - little bits of uncultivated land along building sites, forgotten backyards, overlooked stripes along dry walls and fences are good places to watch out for them. And every little bouquet we bring home tells a little story of our wanderings and makes us smile for days. 

Ich liebe Flieder und Pfingstrosen in ihrer maienhaften Verschwendung von Duft und Farbe. Lieb sind mir jedoch auch die wilden Kräuter am Wegesrand. Hirtentäschl, Klee, Waldmeister, Vergissmeinicht, Wiesenschaumkraut, Butterblume, Taubnessel, Zittergras und Spitzwegerich - viele dieser kleinen Blumen finden wir selbst in der Stadt auf kleinen Brachen, am Rande von Baustellen, auf Verkehrsinseln und in nicht so überpflegten Hinterhöfen. Sie öffnen uns die Augen für die kleine Schönheit und die kleine Wildheit des Stadtfrühlings. 

Dort wo wir letzte Woche die Vergissmeinicht gepflückt haben, sind sie nun verborgen von einem hohen, schützenden Ring aus prächtigen Brennesseln. Für uns ist das wie ein kleines Geheimniss um das nur wir wissen. Die Löwenzahnwiese hat sich in ein Wunschfeld voller Pusteblumen verwandelt. Und wenn wir so durch die Stadt und durch die Wiesen und Felder wandern und am Wegesrand ein paar Blümchen mitnehmen, erzählt am Abend jeder kleine Strauß eine Geschichte. Und zaubert uns tagelang ein Lächeln bei jedem Anblick.

Das Frühlingspuppenmädchen habe ich für meine Nichte genäht und die kleine Osterglocke für unseren Jahreszeitentisch. Eigentlich müsste sie schon wieder ausziehen und den Maiglöckchen Platz machen. In dem Maientempo komme ich einfach nie mit!

Herzlichst, Lena

9. Mai 2017

Hannu


























































Mein erster Schulranzen war aus Leder. Wenn ich die Schnallen aufschnappen ließ, entströmte ihm eine geheimnisvolle Dunkelheit und ein feiner Duft, der die Dinge, die ich in ihm herumtrug, angenehm einhüllte. Ich habe ihn nicht gut oder schlecht gefunden, er war einfach immer dabei. Später erhielt er individuelle Tätowierungen (Kugelschreiber, Edding - ohweh!) und durfte erst in der Oberstufe einem Rucksack weichen. 

Diesen Sommer wird unsere älteste Tochter eingeschult. Sie will einen Ranzen mit 'Kletties'. Wir haben uns einige Modelle angeschaut. Sie kosten so viel wie ein Fahrrad. Viele sind schreiend bunt und alle aus Kunststoff - einige zumindest teilweise aus recyceltem Material. Als ich ihr dann doch noch ein paar schöne, duftende - und bunte - Lederranzen zeigte, sagte sie deutlich und ernst: 'Mama, bei Leder ist echt Schluss. Sowas ist bei mir abgeschnitten.' Aha. Nun schlafen wir  erstmal drüber.

Hannu, der blonde Puppenjunge, ist als Bruder in die Familie von Puppenmädchen Noni eingezogen. Er heißt jetzt Nonerich. Nun ja, dass ist auch irgendwie logisch, nicht? Kinder wissen eben, was sie wollen ;-) 

Herzlichst,
Lena

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5. Mai 2017

Jules

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stoffpuppe waldorfartThis is Jules! He still needs his woolies as spring is blessing us with a good deal of rain and mist these days. To lure sun and warmth out of the heavy clowds I've choosen a sunkissed yellow for his vest :-)

'Mairegen bringt Segen', und wirklich werden wir derzeit mit einer ganzen Menge davon bedacht. Um die Wärme ein wenig hervorzulocken, habe ich Jules eine sonnige Weste gestrickt und färbe seit Tagen nur gelbe Stoffe in meiner Pflanzenfarben-Hexenküche. Birkenblätter, Zwiebelschalen, Granatapfel, Löwenzahn, Avocadoschale - alles gibt mir leuchtende Farben von Hellgelb bis Pfirsichorange. Bald fasse ich euch hier meine ersten Erfahrungen einmal zusammen. Es macht so viel Freude, die Farben aus der Natur zu entdecken!

Die Haare von Jules sind übrigens auch pflanzengefärbt - mit Wallnussschalen. Ich habe sie von der lieben Jenny, die eine wahre Meisterin dieser Kunst ist, mit der ich gerade erst beginne. 

Herzlichst, Lena