5. Mai 2017

Jules

waldorfdoll
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steinerdoll

stoffpuppe waldorfartThis is Jules! He still needs his woolies as spring is blessing us with a good deal of rain and mist these days. To lure sun and warmth out of the heavy clowds I've choosen a sunkissed yellow for his vest :-)

'Mairegen bringt Segen', und wirklich werden wir derzeit mit einer ganzen Menge davon bedacht. Um die Wärme ein wenig hervorzulocken, habe ich Jules eine sonnige Weste gestrickt und färbe seit Tagen nur gelbe Stoffe in meiner Pflanzenfarben-Hexenküche. Birkenblätter, Zwiebelschalen, Granatapfel, Löwenzahn, Avocadoschale - alles gibt mir leuchtende Farben von Hellgelb bis Pfirsichorange. Bald fasse ich euch hier meine ersten Erfahrungen einmal zusammen. Es macht so viel Freude, die Farben aus der Natur zu entdecken!

Die Haare von Jules sind übrigens auch pflanzengefärbt - mit Wallnussschalen. Ich habe sie von der lieben Jenny, die eine wahre Meisterin dieser Kunst ist, mit der ich gerade erst beginne. 

Herzlichst, Lena


13. Dezember 2016

Vertrauen

Für einige Wunschpuppen bekomme ich viele und sehr detaillierte Instruktionen. Vor dem inneren Auge scheint das Puppenkind bereits eine genaue Form angenommen zu haben. Hin und wieder bekomme ich Material - schöne Stoffe oder ganz besondere Haarfarben. Es ist immer ein wenig aufregend, diese Pakete zu öffnen. 

Andere Puppen darf ich ganz frei gestalten - bis zur Haar- und Augenfarbe. Auch diese Freiheit kann aufregend und manchmal verunsichernd sein. 

Wenn ich sehr viele Wünsche berücksichtige, bange ich immer ein wenig, ob das fertige Puppenkind gefallen kann, ob es der Vorstellung entsprechen kann, die ein Anderer hat. Bisher war diese Sorge ganz unbegründet. Aber auch, wenn ich ein Puppenkind frei nach meinem Gefühl entstehen lasse, ist der Augenblick, wo ich die Bilder an die zukünftige Familie versende von Aufregung und Hoffen begleitet. 

Im Laufe der Jahre hat sich bei mir ein ruhigeres Vertrauen eingestellt. Ich weiß jetzt, egal wie viel ich drehe, egal wie viel sich Andere wünschen, am Ende wird das Puppenkind, wie es eben werden möchte. Es scheint sich ein wenig selbst zu nähen, seine Farben selbst zu suchen. Ich bin sehr dankbar, dass die Menschen, die meine Puppenkinder aufnehmen, dieses akzeptieren und wertschätzen.

Bei Malin war es ganz genauso. Es gab viele Wünsche und am Ende scheint sie selbst entschieden zu haben, wie sie diese Wünsche verwandelt - in sich selbst.

Herzliche Grüße,
Eure Lena




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6. Dezember 2016

Stille

Selma ist letzte Woche zu ihrer Familie abgereist und ich vermisse sie ein wenig. Verhältnismäßig selten werde ich um Puppenkinder mit dunklen Haaren gebeten. Ich mag diese geheimnisvolle und ursprüngliche Energie, die Selma ausstrahlt.

Heute ist Nikolaus und ich sollte längst schlafen. Doch diese nächtlichen Stunden im stillen Haus sind zu verlockend. So sitze ich ganz herrlich unvernünftiger Weise noch, stricke bei einem nach-mitternächtlichen Tee und freue mich auf die leuchtenden Augen der Kinder. 

Euch allen einen feinen Nikolaus-Tag!
Herzlichst, Lena

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29. November 2016

Fragen

- English version below -

Ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. 

Dieser Briefausschnitt von Rainer Maria Rilke an Franz Xaver Kappus vom 16. Juli 1903 ist mir diese Woche nach vielen Jahren wieder begegnet. Ich erinnere mich schmunzelnd, wie wir als Schüler darüber (und auch andere Stellen darin) hitzig diskutiert haben.

Heute habe ich eine Ahnung davon, wie Fragen in die Dinge hinein führen, während Antworten Oberflächen beschreiben; wie Fragen öffnen und Antworten schließen; wie sich Fragen aushalten oder gar lieben lassen. Gleichzeitig bemerke ich meinen Antwort-Reflex, meinen Lösungs-Zwang. Antworten und Lösungen gelten in unserer Kultur viel. 

"Wer nichts weiß, muss alles glauben." hat Marie von Ebner-Eschenbach gesagt. Das kann man vor einem emanzipatorischen Hintergrund oder vor einem religionskritischen lesen. Und doch scheint uns das Wissen auch nicht weiter zu helfen. Je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir, dass wir nichts wissen (oder sehr wenig). Antworten scheinen oft lediglich eine Illusion von Sicherheit zu schaffen. 

Nun trinke ich in letzter Zeit abends gern einen Süßholz-Minztee, der sich buddhistisch gibt und kleine Weisheiten auf seinen Teebeutel-Zettelchen verkündet. Mein Mann und ich scherzen gern über diese Sprüche. Spaßhaft stellen wir philosophische Fragen und lassen sie vom 'Tee-Orakel' beantworten. Es schafft einen Moment der Verbindung und Gedankenakrobatik.  

Heute Abend steht auf dem Zettel: "Lass die Dinge zu Dir kommen." Und plötzlich passt das für mich so gut zu Rilkes Rat, die Fragen zu lieben. Nur wenn ich die Fragen aushalte, ja wertschätze, schaffe ich einen Raum, eine Offenheit, in der die Dinge (und Antworten?) zu mir kommen können. Sie kämen zwar sonst auch, aber ich könnte sie vielleicht nicht erkennen.

Ende der Tee-Philosophie - im Kaffeesatz sehe ich derzeit nur Gespenster ;-)

Mögt ihr eure Fragen?

Herzlichst, Lena


                                                                                 Strickmuster: Simple Autumn Mittens
                                                                                 Nadelgröße: 3,5mm
                                                                                 Garn: De Rerum Natura Ulysse, Poivre Blanc

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There is a letter by Rilke to a young friend written in 1903 where he sais: "I want to ask you to be patient with all the undissolved questions of your heart. Please try to love the questions like closed chambers and books written in a foreign language. Do not search for answers which cannot be given yet as you are still unable to live them. You need to live erverything. Live the questions now. Maybe you will slowely without noticing live into the aswers one day."

This advice to endure or even love the questions and to resist the urge of answering everything right away resonates deeply with me these days. I want to try to keep a space open for the things comming at me. I want to open my eyes for the questions and wonders without closing my mind by 'answering' too quickly. It is not easy but relieving to me.

Which words did inspire you lately? And what are you knitting and reading these days?
Lena xxx

handschuhe strickmuster
handschuhe stricken
 

22. November 2016

Verbunden

It is getting dark. The last bits of golden colours are fading. Nature becomes bare. A little bit of light and warmth we carried into this cold season with our lanterns last week. When the full moon made its appearence my six year old whispered: "The moon is so beautiful! I want to kiss it!" And there we stood throwing kisses. This deep connection with the magic around us feels very healing. I try to follow my children. It comes easily to them. 

I've knitted my very first mittens and I'm very happy with the result. Why didn't I think of this much earlier? Now I want to knit at least two more pairs with diffrent pattern and thumb solutions. The crochet hook on a spoon developed out of a crisis - it was made in ten minutes and works perfectly. I only wish I had skipped the search for the original and the frustration of not finding it.

Dunkel ist es geworden. Und die letzten Farben weichen aus der Natur. Alles Gold verliert sich. Ein wenig Licht und Wärme haben wir hineingetragen mit unseren Laternen- und Lichterfesten in der vergangenen Woche. Als an einem kalten Abend am Fluss der prächtige Vollmond aufstieg, sagte meine sechsjährige Tochter: "Mama, er ist so schön! Ich möchte ihn küssen! Kann ich das?" Und so standen wir am Ufer und warfen dem Mond Küsse zu. 

Diese innige Verbindung zu den Dingen und Menschen, die uns umgeben, ist mir gerade in Zeiten, wo so viel Welt aus den Fugen scheint, heilsam. Meinen Kindern gelingt diese Hingabe mühelos. Ich versuche, ihnen zu folgen, so gut ich vermag.

Warum ich bisher nicht auf den Gedanken kam, mir ein Paar Handschuhe zu stricken, bleibt ein Rätsel. Nun sind wir unzertrennlich - sie sind so herrlich warm und weich, passen gut und ich kann mich gar nicht an ihnen satt sehen. 

Zum Schnitzen der Häkelnadel am Löffelstiel hingegen fühlte ich mich förmlich gezwungen. Meine einzige Häkelnadel ist verschwunden (warum habe ich nur eine einzige, wenn sie doch so grundlegend wichtig für meine Puppenmacherei ist??), der Laden macht erst am nächsten Tag um 11 Uhr auf... Hätte ich mir die Suche und das Ärgern gespart, wäre die neue Häkelnadel innerhalb von 15 Minuten zur Stelle gewesen. Nun leistet sie schon seit drei Puppenköpfen gute Dienste und ich hüte sie wie einen Schatz.

Herzlichst, Eure Lena

Garn: Wendy Ramsdale DK - herrlich weich, aus Yorkshire (Farbe 3310 Malton).
Muster: Cruiser von Caily Meyer - der Daumentrick ist genial, obgleich ich nun noch die andere Variante mit Zunahme für den Daumen ausprobiere. Nadelstärke: 3mm - so wird's dicht und warm.




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8. November 2016

Sammlung

I've come across so many inspiering people these past few weeks and want to share some of this with you (see links below). Maybe you want to share what got to your soul and heart lately? 
Meanwhile, we've filled the house with colourful leafs. They serve as crowns and beds and are our main source of inspiration for craft and art projects ofd all kinds. I hope you enjoy this season as much as we do!

Die letzten Herbstwochen waren gefüllt mit anregenden Gesprächen, Fragen, Erlebnissen. Ich habe Neues gekostet, gehört, gelesen, gesehen. Diese Fülle nährt mich. Eine kleine Auswahl meiner 'Begegnungen' lasse ich euch hier. Vielleicht ist etwas für euch dabei? Vielleicht mögt ihr Eigenes teilen?

Außerdem kommen täglich mehr bunte Blätter ins Haus. Wir können nicht anders. Und wir bauen Kronen für uns, Betten für neue Puppenkinder (die jetzt endlich dicke Wolljacken tragen dürfen) und schmücken jeden Winkel. Und heute sind wir tatsächlich beim ersten Schnee aufgewacht - so ein Jubel!

Herzlichst, Lena


Sophia Smeekens gestaltet wunderschöne Jahreszeitentische und zeigt magische Bilder - alles verzaubert mich bei Studioescargot.

Astrid, Caroline und Louise entwerfen Wollpullover in zarten Farben, häufig mehrfädig gestrickt, aus ausgewählten Garnen: Biches & Buches (und ihre Geschichte im Woolful Podcast). 

'The Miracle of Mindfulnes' - eine Einführung in die Zen-Meditation von Thich Nhat Hanh. Was soll ich sagen - lesen und üben :-)

Sylvia Boorstein ist Psychologin und unterrichtet Meditation - ihre Analogien und ihre Freude finde ich erfrischend: Interview mit Krista Tippett

Tomatensuppe mit Kokosmilch, Ingwer, Koriander und Chilli - ein genaues Rezept habe ich nicht, probiert es einfach mal aus, wichtig sind (wie eigentlich immer) nur die besten Zutaten. Schmeckt sagenhaft gut - auch ohne Koriander, liebe Anna ;-)

Vietnamesisches Essen: Xeom in der Karolinenstraße und An Khang Quan auf der Hoheluftchausee (in Hamburg). Das Essen und die Athmosphäre wecken in mir Sehnsucht nach Fremde, Hitze,  selbstgewählter Orientierungslosigkeit und Rucksack-auf-und-los.

Die Teller, Tassen und Gefäße von Tina Kami.


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4. Oktober 2016

Übergänge

Autumn is here - my favorite season! And you can see the change of colours in my knitting. I'm reading old books about dyeing wool, how about you?

Unsere letzte Woche war geprägt von dem Erlebnis des Übergangs zwischen Sommer und Herbst. Einige Tage Familienzeit auf dem Land ließen uns hautnah daran teilnehmen. Zunächst waren wir noch allmorgendlich schwimmen und saßen bis in die Dunkelheit barfuß im lauen Garten. Doch dann kamen Sturm, Regen und Kühle. Wie ich es liebe, wenn es um die Hausecken sausst und es auf das Dach trommelt!

Mir liegt der Herbst. Die klare Luft und ausgewogenen Lichtverhältnisse sind mir wohltuend. Ich fühle neue Ernergie, mein Herz wird weit und ich möchte alles sammeln und alles umarmen. Jeder Tag scheint kostbar. Von Kindheit an hielten die leuchtenden Hebst-Feste Erntedank, Michaeli, Martinszeit und schließlich Advent einen besonderen Zauber für mich. Vielleicht, weil ich eine Herbstgeborene bin. Vielleicht, weil ich noch so durchwärmt bin von Sommer und Licht und die dunklen Zeiten von hier aus nur Einkehr, Besinnung, Gemütlichkeit versprechen. Gleichzeitig vermisse ich gerade jetzt meine Mutter am schmerzlichsten - auch sie war eine Herbstgeburtstagskind.

Nicht nur die Jahreszeit wendet sich. Auch bei uns steht eine große Veränderung bevor. Unsere Jüngste beginnt mit dem Kindergarten. Alles darf seine Zeit brauchen und wir können es langsam beginnen. Sie ist fast zweieinhalb Jahre alt und scheint zunehmend einsam, wenn die Schwester vormittags nicht hier ist und immer weniger Gleichaltrige anzutreffen sind. Eine liebevolle Kindergrupe wird ihr Freude machen. Und doch ist es eben das erste Mal, dass sie außerhalb des engeren Familienkreises ihren Weg beschreiten wird. Es stimmt mich erwartungsfroh und wehmütig zugleich.

Die Puppenjacken werden dicker, wolliger und wärmer in den Farben. Eine Kombination von dunkel leuchtendem Blau zusammen mit rötlichem Rehbraun schwebte mir schon eine Weile vor. Schließlich bin ich bei der Isländischen Lettlopi von Istex fündig geworden.

Herzlichst, Lena


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